Baukunst 06 - 10
Kurzinformation

Beschreibung
Herausragende Bauwerke der Vergangenheit und die ambitioniertesten Architekturen der Gegenwart werden mit Hilfe von seltenem Archivmaterial, 3D Modellen, Animationen und im Gespräch mit Architekten unserer Zeit vorgestellt. 30 Meisterwerke in 30 Filmen: Die Moschee von Isfahan / Das SAS Royal Hotel / Die Schokoladenfabrik Menier / Die Djoser-Pyramide in Sakkara / Die Philharmonie Luxemburg / Der Bahnhof St Pancras in London / Der Deutsche Pavillon in Barcelona / Die Frauen-Universität in Seoul / Die Pariser Bibliothek Sainte-Geneviève / Die Kirche Notre-Dame du Raincy / Der Friedhof von Igualada / Das Barockschloss von Maisons-Laffitte / Das Centre National de la Danse (CND), Paris / Die Zitadelle von Lille / Das Vitra Haus / Der Kölner Dom / Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, São Paulo / Das Rolex Learning Center/ Das Glasschiff von Frank Gehry / Das Haus der kommunistischen Partei Frankreichs / Die Kunstschule von Glasgow / Das Haus Unal / Das Itimad-du-Daula / Die Van Nelle Fabrik in Rotterdam / Das Gästehaus von Wa Shan / Der Flughafen Roissy 1 / Die Bibliothek von Exeter / Das Haus für alle von Rikuzentakata / Das Haus aus Eisen / Pariser Stadtpaläste: Hôtel de Soubise und Hôtel de Rohan. "Baukunst" ist eine Sendereihe, deren einzelne Folgen jeweils einem herausragenden Werk der Baukunst gewidmet sind. Ob Museum, Einkaufspassage, Opernhaus, Bahnhof oder Schule: unterschiedliche Konzepte, Epochen, Trends und Architekten werden monografisch vorgestellt. Woher rührt der hohe architektonische Wert dieser Bauwerke? Gibt es neben individuellen, kulturellen oder historischen Besonderheiten bestimmte Grundvoraussetzungen, deren Erfüllung die überdurchschnittliche Qualität eines architektonischen Projekts garantiert? Die einzelnen Dokumentationen stellen jedes der Bauwerke im Detail vor und geben ausgehend davon Einblicke in die Intentionen des Architekten, seine Ideen und Konzepte, seine individuelle architektonische "Handschrift". Im Laufe der Sendereihe sollen so die verschiedenen Positionen der einzelnen Architekten verdeutlicht werden, um ähnliche Ansätze, Besonderheiten oder Gegensätze erkennbar zu machen und auf diese Weise den Facettenreichtum und die unterschiedlichen Problemstellungen des architektonischen Schaffens aufzuzeigen. Wandern Sie durch dieses Labyrinth von Themen, Theorien und Architekturkonzepten und entdecken Sie dabei nach und nach Werte und Ideen der Architektur. Baukunst 6 Die königliche Moschee von Isfahan Schah Abbas I. wählte Isfahan 1598 zur Hauptstadt und ließ im Rahmen umfangreicher Umbauten den Naghsch-e Dschahan ("Entwurf der Welt") anlegen, später Meidan-e Schah ("Königsplatz") genannt. Das von doppelten Arkaden gesäumte Rechteck, bis heute einer der größten öffentlichen Plätze der Welt, wurde gleichermaßen als Marktplatz, Gerichtsort, Spielfeld und Festplatz geplant und ist von bedeutenden monumentalen Bauwerken umgeben. Gegenüber des Basars zieht im Süden die gewaltige Königsmoschee die Blicke auf sich, die Abbas zu Ehren Gottes errichten ließ. Ihre ausgefeilte Architektur und die enge Verbindung von Gebäude und Dekor lassen ihre Bedeutung erahnen. Als Isfahan 1598 zur neuen Hauptstadt Persiens wurde, wurden im Iran bereits seit über 900 Jahren Moscheen gebaut. Die Araber hatten 637 in der Schlacht bei Nehawend die persische Armee vernichtend geschlagen. Der Islam hatte sich schnell durchgesetzt, aber es war noch nicht erkennbar, welcher architektonische Stil sich beim Bau von Moscheen behaupten würde. Die Königsmoschee ist ein gigantischer Bau mit vier Minaretten, in deren Mitte sich ein weiter Innenhof mitsamt Becken erstreckt. Die vier monumentalen Iwane stehen für die vier Flüsse des Paradieses. In zwei Höfen sind die Koranschulen untergebracht, weitere Räume stehen für religiöse Waschungen zur Verfügung und als Sternwarte dient ein Turm. Der Gebäudekomplex ist nach Mekka gerichtet. Die Himmelsrichtung wird durch eine Wand angezeigt, in die der sogenannte Mirhab, die Gebetsnische, eingelassen ist. Der reich mit bunten Mosaiken und Kalligraphien geschmückte Bau verkörpert den Paradiesgarten und das Wort Gottes. Die beiden unter König Abbas gebauten Moscheen veranschaulichen die Komplexität dieser religiösen Bauwerke. Sie sind gleichzeitig Gebetsstätten, Gärten inmitten der Wüste und eine architektonische Umsetzung von Glaubenstexten. Die Moscheen verkörpern die Fülle islamischer Lebenskunst, demonstrieren die Macht des Königs und verewigen das Talent von Hunderten von Handwerkern und Künstlern. DAS SAS ROYAL HOTEL, Kopenhagen Das symbolträchtige Radisson SAS Royal Hotel in Kopenhagen ist ein Wahrzeichen der Moderne in Glas und Stahl. Es wurde von den Scandinavian Airlines in Auftrag gegeben. Der Entwurf und das Design stammen vom dänischen Nationalarchitekten Arne Jacobsen. Das Fünfsternehotel Radisson SAS Royal wurde Ende der 50er Jahre von dem dänischen Architekten und Designer Arne Jacobsen im Auftrag der skandinavischen Fluggesellschaft SAS entworfen. Das Hochhaus im Herzen Kopenhagens, ebenso schlicht und elegant wie funktional, repräsentiert das Jet-Zeitalter und markiert den Eintritt Dänemarks in die Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg. Arne Jacobsen, der das Gebäude als Gesamtkunstwerk konzipierte, zeichnete nicht nur den Bau, sondern entwarf auch die gesamte Innenausstattung. Einige Modelle wurden später in Serie hergestellt und sind zu Designklassikern geworden. Der dänische Architekt und Designer Arne Jacobsen (1901-1971) gilt als der bekannteste und wichtigste Architekt des Landes. Nach einem Studium der Architektur an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen arbeitete Jacobsen an verschiedenen Bauprojekten, gewann einen Architekturwettbewerb, musste dann aber - da jüdischer Herkunft - im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis fliehen. In den 50er Jahren kehrte er als Professor an seine Hochschule zurück, war aber weiterhin auch international tätig. Er war als Perfektionist bekannt und arbeitete sein Leben lang fast durchgehend. Jacobsens Architekturstil gehört zum modernen Funktionalismus, während sein Design eher organisch orientiert war. Das Radisson SAS Royal Hotel gilt als sein Meisterwerk. DIE SCHOKOLADENFABRIK MENIER Die Gebäude der Schokoladenfabrik Menier in Noisiel unweit von Paris wurden zwischen 1872 und 1906 von drei Architekten erbaut. Da Wasser die wichtigste Triebkraft der Industriellen Revolution war, verwundert es nicht, dass die Fabrik auf dem Gelände einer alten Mühle an der Marne entstand, erworben 1825 von einem der Schokoladenpioniere, dem Apotheker Jean Antoine Menier. Als hydraulische Fabrik war der radikale Neubau aus Ziegel und Eisen einer der innovativsten Industriebauten seiner Zeit. Die im 15. Jahrhundert in Europa eingeführte Schokolade galt lange Zeit als Luxusprodukt und Arzneimittel, das nur von Apothekern hergestellt und verkauft wurde. Doch im 19. Jahrhundert wird sie dank der Erfindung der Tafelform und dem allgemeinen Geschmackswandel zum Artikel des täglichen Bedarfs. Die erhöhte Nachfrage führt bald auch zur Entstehung einer ganzen Industrie. Die Schokoladenfabrik Menier in Noisiel unweit von Paris war zwischen 1872 und 1914 weltweit Marktführer. Vor allem jedoch spielte Menier eine architektonische Vorreiterrolle als eine die Moderne repräsentierende Fabrik aus Eisen, Stahl und Beton. Die neue Mühle war einer der ersten Eisenskelettbauten der Welt. Sie barg ein komplexes hydraulisches System, das die Schokoladenproduktion in den drei Stockwerken der Fabrik antrieb. Außen bilden verschiedenfarbige Ziegelsteine den einzigen Schmuck: Sie ergeben geometrische Muster, welche die Eisenkonstruktion gestalterisch aufnehmen. Große verzierte Keramikmedaillons, auf deren Rand Kakaofrüchte abgebildet sind, ergänzen die schlichte Pracht. Erstmals steht die Architektur im Dienste eines Markenimage. Die drei Hauptgebäude - die Saulnier-Mühle, die erste vollständig aus Metall bestehende Gebäudestruktur der Welt, die Eiffel-Halle und ein weiteres Gebäude, die kühle und monumentale "Kathedrale", - sind bis heute stolze Zeugen des Goldenen Zeitalters industrieller Architektur im 19. Jahrhundert. Die DJOSER-PYRAMIDE in Sakkara Die älteste Pyramide Ägyptens ist die Ruhestätte des Königs Djoser aus dem Jahre 2.700 vor Christus. Die 60 Meter hohe Stufenpyramide steht im Zentrum einer Grabanlage mit kunstvoll bearbeiteten Tempeln, Palästen und Galerien und zeugt somit von den ersten Versuchen, das rein zweckgebundene Bauen zu einer Kunst mit Symbolwert zu machen. Diese neue Form der Architektur stellte eine Revolution in der Baukunst dar und läutete die Periode der technischen und kulturellen Innovationen Ägyptens ein. 30 Kilometer südlich von Kairo lag westlich vom Nil-Tal die Nekropole Sakkarah, einst Teil der Nekropolen von Memphis, der ersten Hauptstadt des Alten Ägyptens. Die einzige erhaltene Grabstätte ist die des Königs Djoser. Diese 60 Meter hohe Stufenpyramide stammt aus dem Jahre 2.700 vor Christus und ist somit die erste jemals erbaute Pyramide. Alleine durch ihre gigantischen Ausmaße, sie ist zehn Mal höher, als die zuvor gebauten Grabstätten, hebt sie sich von diesen ab. Aber erst eine spektakuläre Entdeckung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließ die wahre Bedeutung der Pyramide zutage treten: Sie ist kein isoliertes Monument, sondern steht im Zentrum einer Anlage mit Tempeln, Palästen, Kapellen und sogar zur Lagerung von Nahrung und Kleidern vorgesehenen Galerien. Die Ausmaße dieser Grabstätte und das virtuose Spiel mit der geometrischen Perfektion der Anlage zeigen den ersten Versuch, das rein am Nutzen orientierte Bauen zu einer Kunst von symbolischer Bedeutung zu machen. Zudem fanden die Archäologen eine Skizze auf einem Steinfragment: die älteste überlieferte Architekturskizze. Auch die Säulen sind ohne Vorläufer, sie tragen zum ersten Mal die uns heute bekannte Form. Die Stufenpyramide von Sakkarah stand damit am Beginn der bahnbrechenden technischen und kulturellen Errungenschaften Ägyptens. Diese Revolution des Bauens war der Beginn dessen, was wir heute Architektur nennen: die Zusammenführung von Bau und Kunst. Die PHILHARMONIE LUXEMBURG Die im Kirchbergviertel beherbergte Philharmonie Luxemburg wurde von dem renommierten französischen Architekten Christian de Portzamparc entworfen. Richard Copans wirft einen Blick auf die extravagante Architektur des 2005 im Luxemburger Europa-Viertel eröffneten Bauwerks. Seit 2005 thront die von dem französischen Architekten Christian de Portzamparc entworfene Philharmonie Luxemburg über dem Kirchberg-Plateau - Sitz zahlreicher Banken und europäischer Institutionen. Ziel dieses 1995 geplanten Großprojektes war es, in ein und demselben Musikhaus drei ganz unterschiedliche Konzertsäle zu vereinen: den großen Konzertsaal der Philharmonie, einen kleinen Kammermusiksaal und die sogenannten "Espace Découverte" für Experimentalmusik und experimentelle Kunst. Ein neues Bauwerk inmitten des jungen Luxemburger Stadtviertels. Dennoch, mit ihren runden Formen und der weißen Farbe hebt sich die Philharmonie von den Glas- und Betonquadern der umliegenden Häusern ab. Der Architekt Christian de Portzamparc, der als erster Franzose den begehrten Pritzker-Preis gewann, ist bekannt für seine extravagante Architektur: Ob die Pariser Cité de la musique oder die Französische Botschaft in Berlin, seine Bauwerke zeichnen sich durch ausgefallene Form- und Farbgebung aus. Zusammen mit dem erfahrenen Akustiker Albert Xu Yaying gestaltete der renommierte Architekt das Luxemburger Konzerthaus zu einem gigantischen Musikinstrument. Schlanke weiße Pfeiler säumen den elliptisch geschwungenen Baukörper. Sie wirken wie eine filternde Fassade und bilden eine Lichthülle um das Kernstück des Baus, den großen Konzertsaal. De Portzamparc wollte das Gebäude zu einem Leuchtturm machen, ein Orientierungspunkt im Kirchbergviertel, das nach Einbruch der Nacht wie ausgestorben erscheint. Die Zwischenräume der Pfeiler wurden daher mit Neonröhren ausgestattet. Ihre Abfolge deckt das gesamte Farbspektrum ab: von Rot über Violett bis hin zu Weiß. Diese Farbvariationen setzen die Bewegung der Formen fort, verstärken sie und geben ihnen den Schwung, der aus der Architektur eine rhythmische Kunst macht. Der BAHNHOF ST PANCRAS, London Am Anfang der Geschichte des Bahnhofs St. Pancras stand eine kleine Eisenbahngesellschaft mit einer aggressiven Geschäftspolitik. Die Gesellschaft wollte in London zu einem Zeitpunkt Fuß fassen, als der Kampf um den Schienenzugang zur Hauptstadt in vollem Gange war. Wie die anderen Londoner Kopfbahnhöfe sollte auch St. Pancras über ein stählernes Bogendach sowie über ein Luxushotel verfügen: Das heißt zwei getrennte Einrichtungen und zwei unterschiedliche Bauprojekte. Sie wurden von zwei Männern geleitet, die von Zusammenarbeit nichts hielten. Als die Midland-Eisenbahngesellschaft 1863 die Genehmigung zum Bau des Bahnhofs erhielt, erteilte sie William Barlow, einem der glänzendsten Ingenieure der damaligen Zeit, den Auftrag. Die Rekordtragweite seiner 1865 fertiggestellten Bahnsteighalle, mit einer Höhe von über 30 Metern und einer Länge von über 200 Metern, blieb bis zur Pariser Weltausstellung 1889 unübertroffen. Die Stahlarmatur wird bei St. Pancras durch keine Stützen oder Pfeiler getragen. Barlow entwarf eine waghalsige und effiziente Konstruktion: Da das Bauwerk aufgrund der Bodenunebenheiten erhöht errichtet werden musste, verlegte er den Träger für die Fundamentplatte ins Untergeschoss, wo er die ganze Belastung aufnehmen konnte. Der Bau einer höheren und breiteren Stahlstruktur wurde so möglich. Der Auftrag des Hotels ging an Sir George Gilbert Scott. Der Vertreter des gothic revival sollte den Erwartungen der Midland Company in puncto Luxus Gestalt geben - und das Midland Grand Hotel wurde tatsächlich das größte und luxuriöseste der Hauptstadt. Es weist Zitate aus allen Epochen der Gotik auf, vom flandrischen Rathaus bis zur französischen Kathedrale, besonders aber liebäugelte Scott mit dem Mittelalter. Er gestaltete eine moderne Gotik, die den funktionalen Anforderungen gerecht werden konnte. Vom Glanz des Hotels ist heute nicht mehr viel übrig: Leer und unbeheizbar dämmert es einem ungewissen Schicksal entgegen. Es bleibt nur noch die denkmalgeschützte Fassade, monumentales Überbleibsel des grenzen-losen Ehrgeizes einer Eisenbahngesellschaft. Baukunst 7 Die Frauen-Universität in Seoul Die Pariser Bibliothek Sainte-Geneviève Die Kirche Notre-Dame du Raincy Der Friedhof von Igualada Der deutsche Barcelona-Pavillon Architekt: Ludwig Mies van der Rohe / Baujahr: 1929 Der Deutsche Pavillon der Weltausstellung 1929 in Barcelona hat Maßstäbe gesetzt. Er sollte das damalige Deutschland, seine Taten, sein Wesen und seine Suche nach Klarheit und Integrität widerspiegeln. Dem Architekten Mies van der Rohe ist dies auf eine einzigartige Weise gelungen: Er schuf ein Werk, das nicht nur das Ausstellungswahrzeichen, sondern auch stilbildend für die moderne Architektur wurde. Noch nie hat ein Gebäude von relativ geringem Ausmaß eine so ungeheure Berühmtheit erlangt wie Mies van der Rohes Deutscher Pavillon auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona. Dem offiziellen Antrag zufolge sollte der Pavillon die Selbstdarstellung der Weimarer Republik mit ihren Taten, Fähigkeiten und Zielen sein. Diesem Anspruch scheint Mies van der Rohe gerecht geworden zu sein: Sein Werk wurde als die Öffnung der Weimarer Republik zu technischen und kulturellen Innovationen aufgefasst. Seine erstaunliche Gleichsetzung von Größe und Zweckfreiheit, die Verachtung der schlichten Nützlichkeit von Bauwerken nahmen zudem Einfluss auf die Baukunst des 20. Jahrhunderts: Das Werk van der Rohes symbolisiert gewissermaßen die reine Architektur und gilt als prägender Vertreter der deutschen avantgardistischen Architekturströmungen. So markieren zum Beispiel die Wände und Böden nur mögliche Grenzen und wirken strukturgebend, sie umschließen die Räume aber nicht. Der Barcelona-Pavillon gilt als einer der Höhepunkte der Karriere von Mies van der Rohe, der einer der bedeutendsten Vertreter der modernen Architektur ist. 1986 wurde das Gebäude am Originalstandort wieder aufgebaut. Die Dokumentation analysiert die einmalige Konstruktion und erklärt das Spiel mit Wänden, Pfeilern und Wasserbecken, die im Zusammenwirken ihre Bedeutung erlangen - ein offenes Labyrinth aus Marmor, Glas und Chrom. Das Schloß Maisons Architekt: François Mansart Das im klassizistischen Barock erbaute Schloss Maisons-Laffitte gilt als eine architektonische Revolution. Das Meisterwerk des genialen Architekten François Mansart ist aufgrund seiner Vorbildwirkung für spätere Bauwerke ein Prototyp, der viel über Baukunst lehrt. Über der Seine erhebt sich das Schloss von Maisons-Laffitte, das Mitte des 17. Jahrhunderts von François Mansart erbaut wurde, mit seinen sanft geneigten französischen Gärten. Es besteht aus einem Mittelkorpus und zwei Seitenflügeln - eine später vielkopierte Symmetrie, die unter anderem auch beim Pariser Rathaus und seinen Ablegern in den verschiedenen Arrondissements anzutreffen ist. Das Schloss Maisons-Laffitte, das als das Meisterwerk von François Mansart gilt, sollte ein Ort der Zerstreuung werden. An einer Krümmung der Seine im Department Yvelines gelegen, mit Blick auf den königlichen Wald von Saint-Germain-en-Laye, empfängt das Schloss seine Besucher mit ausgebreiteten Armen. Ganz anders als die üblicherweise mit der Bezeichnung "Schloss" assoziierten Bauten des Mittelalters ist die Anlage das Ergebnis eines langen Wandlungsprozesses, welches das höfische Leben und dessen Anforderungen in der Renaissance in den Mittelpunkt rückte - eine Entwicklung, die in der Renaissance bei vielen Schlössern ähnlich verlief. François Mansart erfindet mit Maisons-Laffitte dann einen neuartigen Typus: Er spielt mit den Merkmalen des mittelalterlichen Erbes, wie den Gräben rund um die Plattform und der Erinnerung an Wachbastionen, Zugbrücke und Bergfried, und verbindet das Konzept des Schlosses mit dem des Ortes der Zerstreuung. Im Inneren des Schlosses lehnte Mansart gemalten Schmuck ab, so dass das Wechselspiel von Form und Raum zur Geltung kommen konnte und duldete gerade einmal bauplastische Verzierungen als Dekoration seiner Architektur. Leider wurde die intelligent durchdachte Belle Etage nur eine einzige Nacht lang von König Ludwig XIV. besucht. Als Bauwerk war das Schloss zu seiner Entstehungszeit ein Prototyp: Zahllose französische Verwaltungsgebäude des 19. Jahrhunderts sind von der Bauweise des Schlosses Maisons-Laffitte inspiriert. Baukunst 8 CENTRE NATIONAL DE LA DANSE Ein Film von Juliette Garcias Anfang der 1970er Jahre strandete am Ufer des "Canal de l'Ourcq", im "roten Gürtel" nordöstlich von Paris, ein gigantisches Schiff aus Rohbeton: das Verwaltungszentrum Pantin. Jacques Kalisz, damals noch Architekturstudent, gehörte einem sozial engagierten Stadtplanungsarbeitskreis an, den einige kommunistisch regierte Kommunen um Paris ins Leben gerufen hatten. Ihn beauftragte der Bürgermeister von Pantin mit dem Bau eines Komplexes, der sämtliche kommunalen Einrichtungen (Gericht, Sozialversicherung, Polizeirevier, Finanzamt, Gewerkschaftshaus, Arbeitsamt, Leichenschauhaus, Hundezwinger usw.) unter einem Dach vereinen sollte - ein damals völlig neuartiges Konzept. 20 Jahre später stand das Verwaltungszentrum leer. Was als utopisches Flaggschiff gedacht war, wurde zum Symbol des Niedergangs einer Gesellschaftsutopie. Da der Abriss jedoch zu kostspielig gewesen wäre, wurde beschlossen, es zu rehabilitieren. 2004 wurde das Gebäude saniert und einem neuen Verwendungszweck zugeführt. Anstelle der Angestellten und ihrer Büros zogen Tanzcompanien und Ballettstudios ein. Das neu entstandene "Centre National de la Danse" war das erste große Projekt der beiden jungen Architektinnen Antoinette Robain und Claire Guieysse, die dafür mit dem französischen Architekturpreis "Prix de l'Equerre d'Argent" ausgezeichnet wurden. DIE ZITADELLE VON LILLE Die Zitadelle von Lille wurde im 17. Jahrhundert von Sébastien le Prestre de Vauban im Auftrag von König Ludwig XIV. errichtet und diente als Vorbild zahlreicher Militäranlagen . Die Zitadelle von Lille wird vom französischen König Ludwig XIV. in Auftrag gegeben und in den Jahren 1667 bis 1673 erbaut. Ihr Architekt Sébastien le Prestre de Vauban bezeichnet sie als die "Königin der Zitadellen". Sie ist die erste Militäranlage dieser Art und dient vielen anderen, die nahe der Grenzen Frankreichs errichtet werden, als Vorbild. Der Ingenieur und bedeutendste Militärarchitekt seiner Zeit entwirft die Zitadelle als Antwort auf die Entwicklung der damaligen Kriegsführung. Le Prestre de Vaubans Genie besteht darin, keinen Aspekt außer Acht zu lassen und alle Gegebenheiten und Probleme in die Konzeption einzubeziehen: Ballistik, Exposition, Versorgung, Organisation des Garnisonslebens, landschaftliche und geografische Gegebenheiten. Vauban war mehr als ein Militärarchitekt, er machte Land Art, bevor es den Namen gab, und seine geometrisch angelegten Festungen prägen die Landschaft. Heute sind diese Bauten zwar lediglich Denkmäler ohne strategische Funktion, dennoch sind sie aufgrund ihrer stringenten Konzeption und formalen Schlichtheit eine Inspirationsquelle für Architekten. Zum Beispiel für Jean Nouvel, der diese Festungsanlagen für "der Fantasie unserer besten Filmregisseure würdig" hält. DAS VITRAHAUS ARCHITEKTE: Jacques HERZOG & Pierre de MEURON Baujahr: Zwischen 2005 und 2010 Von außen wirkt es wie ein gewagter Häuserstapel und von innen bietet es vielfältige Ausblicke in die Landschaft um Weil am Rhein. Das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron schuf im Auftrag des Schweizer Designermöbelunternehmens Vitra ein spektakuläres Objekt, das vielseitig nutzbar ist. Im Jahr 2006 beauftragte das Schweizer Designermöbelunternehmen Vitra das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron mit dem Bau eines Ausstellungsgebäudes auf seinem Vitra Campus in Weil am Rhein, auf einem Gelände, das bereits Bauten von Stararchitekten wie Frank Gehry beherbergt. Vier Jahre später eröffnet das VitraHaus und wird seitdem vielseitig als Showroom, Museum, Shop und Café genutzt. Das baukünstlerische Konzept von Herzog & de Meuron beruht auf den beiden Elementen "Urhaus" und "Stapelung von Räumen". Die von ihnen entworfenen zwölf Satteldachhäuser sind so aufeinander aufgebaut und ineinander verschachtelt, dass ganz überraschende Innen- und Außenperspektiven entstehen. Tagsüber eröffnet dieses "Haus aus Häusern" dem Besucher vielfältige Ausblicke auf die Landschaft, nachts wirken die voll verglasten Giebelseiten wie hell erleuchtete "Schaufenster". Ein Haus, das sowohl zum Verweilen als auch zum Staunen einlädt. DER KÖLNER DOM Der Kölner Dom, begonnen 1248, fertiggestellt 1880, gilt als Meisterwerk gotischer Architektur. Wegen des Umfangs und der Qualität der Arbeiten wurde der Dom zu einem Kristallisationspunkt dieses Architekturstils. Noch bei seiner Vollendung im 19. Jahrhundert war der Dom das größte Gebäude der Welt. 1996 wurde der Kölner Dom in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Kultur- und Freizeitzentrum SESC POMPEIA, São Paulo Das Kultur- und Freizeitzentrum SESC Pompeia, auch Fábrica de Pompéia genannt, gehört zu den berühmtesten Bauten in São Paulo. Die ehemalige Tonnenfabrik wurde in den 1980er Jahren von der aus Italien stammenden Architektin Lina Bo Bardi (1914¿1992) in ein Kultur- und Freizeitzentrum umgewandelt. Das ROLEX LEARNING CENTER Das Rolex Learning Center am Ufer des Genfer Sees wurde von zwei japanischen Architekten errichtet: Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa. Ob eine Scheibe Schweizer Käse, ein Molekulargewebe oder ein fliegender Teppich - die Welle aus Glas und Beton lässt verschiedenste Assoziationen zu und verrät nicht sofort den Zweck des Baus. Er beherbergt die Bibliothek der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) - mit über 500.000 Bänden an Fachliteratur und rund 800 Arbeitsplätzen für Studenten. Das Gebäude der beiden japanischen Architekten Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa steht am Genfer See. Der 2010 entstandene Bau - eine Welle aus Glas und Beton - lässt verschiedenste Assoziationen zu. Einige sehen in dem Gebäude eine Scheibe Emmentaler Käse, andere ein Molekulargewebe oder einen fliegenden Teppich. Die Fassade lässt auf den ersten Blick nicht auf die Nutzung des Gebäudes schließen. Es handelt sich um ein Learning Center, ein neues Konzept multifunktionaler Räume, die der Wissensvermittlung gewidmet sind. In dem schwerelos wirkenden Gebäude mit einer Fläche von mehr als 20.000 Quadratmetern gibt es keine einzige Wand. Anstelle von Trennwänden haben sich die Architekten für eine künstliche Landschaft entschieden, in der sich sanft ansteigende Hügel und Täler abwechseln. Die Studenten spazieren nach Lust und Laune herum, wechseln von der Bibliothek ins Restaurant und von den Arbeitsräumen ins Amphitheater ohne dabei je durch eine Tür zu gehen. Der Besucher wählt seinen eigenen Weg, lässt sich in diesen Räumen, deren Funktion er selbst anpassen oder festlegen muss, von seiner Neugier leiten. Es ist ein einzigartiger Ort, ein architektonisches Meisterwerk, das die Vorstellung von Raum und dessen Aufteilung revolutioniert und dem Besucher eine bisher unbekannte, körperliche wie geistige Erfahrung bietet. Baukunst 9 Das Glasschiff von Frank Gehry Ein Film von Richard Copans 2006 gab Bernard Arnault dem Architekten Frank Gehry den Auftrag, ein Gebäude für die Stiftung Louis Vuitton zu errichten, um sich sein eigenes Denkmal als Mäzen und Kunstförderer zu setzen. Keine vertikalen Linien, keine einheitliche Fassade, keine Wiederholungen: Im Namen der Fondation Louis Vuitton errichtete der berühmte kanadisch-US-amerikanische Architekt Frank Gehry zwischen 2006 und 2014 am Rande des Pariser Bois de Boulogne ein Bauwerk ohnegleichen: ein Glasschiff, das die Illusion von Bewegung vermittelt und getrieben vom Westwind nach Paris zu segeln scheint. Das beeindruckende, die Baumwipfel überragende Gebäude besteht aus einer Ansammlung von 19 weißen, organischen Blöcken. Jeder einzelne ist eine abstrakte Komposition mit zahlreichen Facetten und gekrümmten oder abgeschrägten Oberflächen; bedeckt mit Platten aus Ductal, einem weißen Faserbeton. Darüber liegen, in Anlehnung an das Glasdach des Pariser Grand Palais, weitläufig angeordnete Glasflächen. Jede Fläche, jeder Block hat eine individuelle Form und Größe, etwa wie ein dreidimensionales Puzzle, das den Eindruck eines "Erdbebenmusters" verleiht. Durch die überlappende Anordnung entstehen für den Besucher zugängliche Freiräume und Durchgänge. Das Museum besteht aus einem großen Auditorium und elf Galerien, in denen zeitgenössische Kunst einen Ausstellungsort findet. Sechs der Galerien werden dank spezieller Lichtröhren mit Tageslicht beleuchtet. Durch die präzise Verwendung vieler einzigartiger Elemente aus Glas und Beton vereint das Gebäude industrielle Herstellung und Handwerkskunst sowie auch die Luxusindustrie, deren jüngstes Aushängeschild dieser bemerkenswerte Komplex ist. Seine von den Glassegeln geschützten Terrassen laden auf einen architektonischen Spaziergang ein und eröffnen eine wunderbare Sicht auf die französische Hauptstadt. Das Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs Ein Film von Richard Copans Das Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs wurde von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer zwischen 1965 und 1980 errichtet. Eine sanft gewellte Glasfassade, eine weiße Kuppel: Das am Fuße des Parks Buttes-Chaumont gelegene Haus der Kommunistischen Partei Frankreichs im Nordosten von Paris verkörpert die architektonische Umsetzung einer politischen Ideologie und gilt als Meilenstein moderner Architektur. Der von dem Brasilianer Oscar Niemeyer zwischen 1965 und 1980 errichtete Bau befindet sich an einem Ort von hoher architektonischer und politischer Relevanz, befanden sich hier doch einst das Haus der Gewerkschaften, die Arbeiter
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