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Bücher: Alles was man lesen muss

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Kurzinformation
Sprache:
Deutsch
ISBN:
9783821816791
Verlag:
Seitenzahl:
240
Auflage:
-
Erschienen:
2002-02-01
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Bücher: Alles was man lesen muss

Shakespeare oder Berti Karsunke? Angenommen, Shakespeare wäre durch einen göttlichen Ratschluß wiedergeboren worden und Sie träfen ihn im Bahnhofsrestaurant von Hannover und er zwinkerte Ihnen zu und verwickelte Sie in ein faszinierendes Gespräch, würden Sie da nach ein paar Höflichkeitsfloskeln sich erheben und sagen: 'Entschuldigen Sie, Mr. Shakespeare, Ihre Ansichten über den Hamlet sind sicher äußerst erhellend, aber ich muss leider gehen'? Shakespeare würde Sie mit eiserner Hand auf Ihren Sitz zurückdrücken und fragen: 'Was haben Sie vor, das wichtiger wäre als ein Gespräch mit mir, dem Autor unsterblicher Werke, der nächst Gott am meisten geschaffen hat?' Und Sie würden antworten: 'Ach, nichts Besonderes. Ich treff mich mit Berti Karsunke und den anderen zum Stammtisch.' Nun, dies ist ein freies Land, und jedem steht es frei, sich von Shakespeare schnell zu verabschieden, um sich mit Berti Karsunke zu treffen. Nichts gegen Berti Karsunke. Auch er kann faszinierend sein. Tatsächlich würde man ihn auch bei Shakespeare schon finden. Er trägt zwar nicht den Namen 'Berti Karsunke', sondern 'Andreas Bleichenwang', aber es ist definitiv der gleiche Mann. Doch was würden Sie sagen, wenn auch Sie selbst sich in Shakespeare wiedertreffen würden, wenn Ihre Freundin in Ihnen Zettel, den verzauberten Weber, wiedererkennte, der sich "am Morgen danach" in einen Esel zurückverwandelt hat? Würde das nicht Ihr Interesse wecken? Aber auch in diesem Fall werden viele der Gesellschaft von Berti Karsunke der von Shakespeare den Vorzug geben. Sie persönlich nicht, aber wir wissen durch eingehende statistische Erhebungen über Theaterbesuche und Bücherkäufe, dass eine große Mehrheit Berti Karsunke aus Oberhausen den Vorzug vor Willy Shakespeare aus Stratford gibt. Wem will man es verübeln, wenn er einem Menü von Bocuse eine Portion Pommes mit Majo an der Frittenbude vorzieht? Niemand wird bestraft, wenn er nicht in das Gespräch der Zivilisation eintritt. Es ist ein alter Rechtsgrundsatz: Wer sich durch eine Tat unabsichtlich selber schädigt - etwa eine Mutter, die aus Versehen ihr eigenes Kind überfahrt - wird nicht noch zusätzlich bestraft. Und so darf sich jeder aus der Kultur verabschieden, ohne dafür belangt zu werden. Denn er selbst trägt ja den Schaden. Er findet sich in der Lage eines Mannes, der mitten in einem von Lachsalven geschütteltem Publikum einer Komödie zusieht und die Pointen nicht versteht. Er bewegt sich in seiner eigenen Kultur wie ein Ausländer. Er versteht ihre Sprache nicht, er ist wie einer, der sein Erbe ausgeschlagen hat. Damit hat er darauf verzichtet, die erhabensten Gedanken und die berauschendste Poesie kennen zu lernen. Er hat freiwillig auf das höchste Glücksgefühl verzichtet, das es gibt - nämlich Gottes Schöpfungsgedanken zu lesen.

Produktdetails

Einband:
hardcover
Seitenzahl:
240
Erschienen:
2002-02-01
Sprache:
Deutsch
EAN:
9783821816791
ISBN:
9783821816791
Verlag:
Gewicht:
617 g
Auflage:
-
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