Orpheus schweigt: Gedichte
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Beschreibung
An die Nachgeborenen Lasst euch, wenn ihr über Bäume redet, kein Gespräch über Verbrechen aufzwingen! Über den Duft des blühenden Oleanders zu schweigen, macht begangenes Unrecht nicht ungeschehen. Könntet ihr allerdings nur noch von lila Kühen berichten, wäre meinem Argument der Boden entzogen. Wird die Literatur besser, wenn ihr euere Väter verurteilt, weil sie den Versprechungen eines Rattenfängers auf den Leim gegangen sind? Hättet nicht auch ihr Sieg Heil geschrien? Über Essen und Trinken zu schreiben, ist nicht verwerflich. Aber Hungernden die Nahrung zu verweigern, ist ein Verbrechen. Armut und Aids moralisch gegen die Schönheit einer Rosenkavalieraufführung aufzurechnen, ist ein Verrat an der Kultur, und ändert nicht den Lauf der Welt. Der „Lyrik nach Auschwitz“ sich zu verweigern, würde unser Leben ärmer machen. Literatur lässt sich nicht verhindern und hat nach dem Zusammenbruch des Nazireichs bewiesen, dass sie aus Ruinen auferstehen und uns neue, hoffnungsvolle Wege zeigen kann. Horst Oberbeil, geb. 1937 in München. Studium der Musik an der Hochschule für Musik und Theater in München und der Philosophie und Neueren Literaturgeschichte an der LM Universität in München. Danach kaufmännische Ausbildung und jahrelange Tätigkeit in der Geschäftsleitung eines Handelsunternehmens. Heute freier Schriftsteller und stellv. Vorsitzender des Freien Deutschen Autorenverbands Bayern.
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