Kunst der Möbelmalerei: Ein ungeschriebenes Kapitel zur Schweizer Kunstgeschichte
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Beschreibung
In Kunstmuseen suchen wir vergeblich nach Möbelmalereien. Sie gelten nicht als Kunst im eigentlichen Sinn, sondern als Kunsthandwerk. In den Landschaften Toggenburg und Appenzell finden wir jedoch Malereien auf Truhen, Schränken und Betten aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert, die von hohem künstlerischem Niveau zeugen. Die Maler haben sich offensichtlich an grafischen Vorlagen orientiert, vor allem an Kupferstichen, die damals via Guckkasten und Bilddrucke in ganz Europa Verbreitung fanden. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen die grosse Ähnlichkeit zwischen Vorlage und Möbelmalerei und die vielfältige Motivwelt: Löwen, Pflüger, Jahreszeiten, Liebespaare, Reiter und viele andere Motive bevölkern die gemalten Szenerien. An ihrem Wandel ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lassen sich gesellschaftliche Veränderungen ablesen: Nicht mehr Engel, sondern Menschengesichter, nicht mehr Roben, sondern bürgerliche und bäuerliche Kleidung, nicht mehr Jerusalem, sondern das eigene Dorf verzieren nun die Schränke und Betten. Diese allmähliche Zuwendung zu irdischen und zeitgenössischen Sujets spiegelt den Säkularisierungsprozess.
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Über den Autor
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